DHfPG, DSSV und DVGS stellen Generation-Ü-Studie in Berlin vor
Generation Ü: Studie zeigt Potenziale für Arbeitswelt und Gesellschaft
Menschen zwischen 60 und 75 Jahren bringen vielfältige Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen mit. Eine neue Studie unter Beteiligung der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) zeigt, wie diese Potenziale für Arbeitswelt und Gesellschaft erhalten und genutzt werden können. Eine zentrale Rolle spielen Gesundheit, individuelle Motivation und gezielte Prävention.
Die sogenannte Generation Ü ist keine einheitliche Bevölkerungsgruppe. Wie Menschen zwischen 60 und 75 Jahren beruflich und gesellschaftlich aktiv bleiben können und möchten, unterscheidet sich deutlich. Das verdeutlicht eine neue Studie, die am 5. November 2026 in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde.
An der Untersuchung sind mit Prof. Dr. Arne Morsch und Prof. Dr. Sarah Kobel zwei Wissenschaftler der DHfPG als Co-Autoren beteiligt. Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für einen differenzierten Umgang mit dem demografischen Wandel.
Generation Ü: Erfahrung und Motivation über den Renteneintritt hinaus
Ziel der Studie ist es, die Voraussetzungen für ein weiteres berufliches oder gesellschaftliches Engagement realistisch einzuschätzen. Dafür unterscheidet sie verschiedene Teilgruppen anhand ihrer Ressourcen sowie ihrer Motivation und Fähigkeit, körperlich, sozial und beruflich aktiv zu sein.
Zwei Ergebnisse verdeutlichen die vorhandenen Potenziale:
- 71,3 Prozent der 60- bis 75-Jährigen sind beruflich noch aktiv oder verfügen über grundsätzliches Aktivierungspotenzial, um auch im Ruhestand beruflich oder gesellschaftlich wirksam zu bleiben.
- 68,6 Prozent der untersuchten Altersgruppe bringen gute körperliche Voraussetzungen mit.
Die Ergebnisse zeigen zugleich, weshalb pauschale Altersbilder zu kurz greifen: Die Möglichkeiten und Bedürfnisse älterer Menschen hängen wesentlich von ihren individuellen Voraussetzungen ab.
Gesundheit als Grundlage für Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe
Motivation allein reicht nicht immer aus, um sich weiterhin einzubringen. Bei einer Teilgruppe von 8,1 Prozent der Befragten treffen der Wunsch nach beruflichem Weiterwirken und eine hoch eingeschätzte berufliche Leistungsfähigkeit auf deutlich schwächere körperliche Voraussetzungen. Gesundheit kann hier zum begrenzenden Faktor werden.
Der Ergebnisbericht empfiehlt deshalb gezielte Bewegungs- und Präventionsangebote, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
„Die entscheidende Frage ist nicht, wann jemand in Rente geht, sondern was er danach noch kann und will. Ein erheblicher Teil der Generation Ü möchte weiterhin etwas leisten und sich einbringen. Wenn körperliche Leistungsfähigkeit dabei zum limitierenden Faktor wird, ist Prävention nicht nur Gesundheitspolitik, sondern wird zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“,
erklärt Prof. Dr. Arne Morsch, Co-Autor der Studie und Leiter des Fachbereichs Gesundheitswissenschaft an der DHfPG.
Prävention im Alter braucht einen frühzeitigen Ansatz
Die Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung über verschiedene Lebensphasen hinweg. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen möglichst lange zu erhalten und gesundheitlichen Einschränkungen frühzeitig entgegenzuwirken.
„Fehlende Gesundheit im Alter kostet Geld. Erhaltene Gesundheit hingegen schafft Wert. Sie ermöglicht Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und längeres berufliches Wirken. Prävention muss deshalb möglichst früh ansetzen, bevor aus vorhandenen Ressourcen gesundheitliche Einschränkungen und zusätzlicher Versorgungsbedarf werden“,
so Prof. Dr. Sarah Kobel, Co-Autorin der Studie und Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft und Forschung an der DHfPG.
Für Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft bietet die Unterscheidung verschiedener Teilgruppen die Möglichkeit, Maßnahmen bedarfsgerechter zu gestalten. Dabei gilt es, sowohl vorhandene Potenziale als auch gesundheitliche und soziale Barrieren zu berücksichtigen.
Fitness- und Gesundheitsanlagen können einen Beitrag leisten
Gesundheitsorientierte Fitness- und Gesundheitsanlagen können mit zielgruppenspezifischen Bewegungs- und Betreuungsangeboten dazu beitragen, körperliche und psychische Gesundheit, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe zu erhalten.
Für die Fitness- und Gesundheitsbranche ergibt sich daraus eine wichtige Aufgabe: Angebote an den unterschiedlichen Voraussetzungen älterer Menschen auszurichten und sie individuell zu begleiten. Hier verbindet sich wissenschaftliches Wissen über Prävention und Gesundheitsförderung mit der praktischen Arbeit qualifizierter Fachkräfte.
Der Erhalt von Gesundheit schafft damit Chancen für den Einzelnen, den Arbeitsmarkt und das Gemeinwesen. Gleichzeitig kann er dazu beitragen, Gesundheits-, Pflege- und Sozialsysteme langfristig zu entlasten.
Die Vorstellung der Studie erfolgte durch den DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen in Kooperation mit der DHfPG, der BSA-Akademie, dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), dem Generation Ü Netzwerk e. V., der IKK Südwest und der FIBO.